Safer Sex ist eine sehr verlässliche Methode, die Übertragung von HIV zu verhindern. So lange du mit deiner Partnerin oder deinem Partner beim Geschlechtsverkehr Kondome verwendest und dich auch an die übrigen Safer-Sex-Regeln hältst, brauchst du dir also keine Sorgen zu machen.

Wenn du HIV-Medikamente nimmst, befinden sich außerdem nur noch sehr wenige Viren in deinen Körperflüssigkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass du HIV weitergibst, ist damit sehr viel geringer als ohne Therapie.

Auch wenn du weißt, dass dein Sexpartner ebenfalls HIV-positiv ist, gibt es unter Umständen gute Gründe dafür, Kondome zu verwenden. Denn Kondome reduzieren unter anderem das Risiko für andere sexuell übertragbare Infektionen wie SyphilisTripper und vor allem die schwer behandelbare Hepatitis C.

Safer-Sex-Unfall

Auch wenn du dich an die Safer-Sex-Regeln hältst, kann mal etwas schief gehen. Kondome können zum Beispiel abrutschen oder reißen.

Wenn so ein „Unfall“ passiert ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es zu einer Übertragung kommt.  Ob HIV übertragen wird, hängt immer von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von der Zahl der Viren in den Körperflüssigkeiten, vor allem  im Sperma, in der Scheidenflüssigkeit sowie in der Darmschleimhaut.

Außerdem ist es möglich, das Risiko noch im Nachhinein ganz erheblich zu senken. Zu diesem Zweck nimmt der HIV-negative Partner für einige Wochen Medikamente ein, die HIV an der Vermehrung hindern. So kann sich das Virus in den meisten Fällen nicht in seinem Körper festsetzen; er bleibt HIV-negativ. Diese Behandlung nennt man Postexpositionsprophylaxe (was so viel heißt wie Nach-Risiko-Vorsorge), abgekürzt PEP.

Es ist wichtig, möglichst schnell nach dem Unfall mit der PEP zu beginnen. Ausführliche Informationen dazu findest du hier.

Mehrfachinfektion / „Superinfektion“

Wenn auch dein Partner HIV-positiv ist, besteht in bestimmten Situationen die Möglichkeit, dass ihr euch gegenseitig mit weiteren HIV-Varianten infiziert. Die Infektion mit mehreren Virusvarianten nennt man Mehrfachinfektion.

Die Wissenschaft ist sich noch nicht ganz im Klaren darüber, wie oft so etwas passiert und welche Folgen solche Mehrfachinfektionen auf lange Sicht haben können.

Das Risiko für eine Mehrfachinfektion ist wahrscheinlich im ersten Jahr nach der Infektion mit HIV höher. Bei einer HIV-Infektion, die schon länger besteht, scheint das Risiko eher gering zu sein.

Bei einer Superinfektion werden auch Virusvarianten übertragen, die gegen bestimmte Medikamente resistent sind. Das schränkt die Möglichkeiten bei der HIV-Behandlung ein. Aus diesem Grund empfehlen wir dir, dich weiterhin mit Kondomen zu schützen.

Wenn mindestens einer der Partner eine wirkungsvolle Therapie gegen HIV einnimmt, ist eine Mehrfachinfektion kaum möglich (Siehe hierzu auch „Viruslastmethode“).

Verantwortung

Verantwortung ist kein einfaches Thema. Wir alle tragen nicht nur Verantwortung für uns selbst, sondern auch für andere Menschen. Zugleich ist beim Sex zunächst einmal jeder selber dafür verantwortlich, sich zu schützen.

Rechtlich kann es allerdings anders aussehen. Informationen zum Thema HIV und Strafrecht findest du hier.

In der Praxis spielt aber natürlich auch eine Rolle, wer gerade in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. Wenn deine Partnerin oder dein Partner zum Beispiel zu viel getrunken hat oder sich im Rausch der Gefühle befindet, kannst vielleicht du einen kühlen Kopf bewahren – und umgekehrt.

Sollte trotzdem einmal etwas schief gehen, kann eine so genannte PEP das Infektionsrisiko noch im Nachhinein erheblich verringern. Verantwortungsbewusst zu handeln bedeutet dann, den Sexpartner darauf hinzuweisen, dass er oder sie einem HIV-Risiko ausgesetzt war und dass es die Möglichkeit der PEP gibt.

Schutz durch Therapie

HIV-Medikamente vermindern die Zahl der Viren in Körperflüssigkeiten wie Sperma und Scheidenflüssigkeit erheblich. Damit ist auch das Risiko einer HIV-Übertragung stark vermindert.

Unter folgenden Bedingungen ist es sogar so gut wie ausgeschlossen, dass eine HIV-Übertragung stattfindet:

  • Du nimmst eine gut funktionierende Kombinationstherapie und hältst dich dabei sorgfältig an die Einnahmevorschriften deiner Medikamente.
  • Deine Viruslast ist seit mindestens einem halben Jahr dauerhaft unter der Nachweisgrenze, das heißt im Labor sind keine Viren mehr in deinem Blut nachweisbar.

Wenn du gemeinsam mit deinem Arzt feststellen kannst, dass diese Bedingungen tatsächlich gegeben sind, gilt Sex ohne Kondom auch als „Safer Sex“.

Manche Paare, in denen ein Partner HIV-positiv ist, verzichten dann auf Kondome. Wichtig ist bei einer solchen Entscheidung, dass beide Partner sich gemeinsam dafür entscheiden, wirklich einverstanden damit sind und dass keiner ein schlechtes Gefühl dabei hat.

Die häufigsten Fragen zur Viruslastmethode und die dazugehörigen Antworten haben wir hier zusammengestellt.

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