Zusammenfassung

Vor Beginn der PrEP muss ein HIV-Test sicherstellen, dass man HIV-negativ ist. Wenn man HIV-positiv ist und nur Truvada® nimmt, kann HIV sich vermehren und resistent = unempfindlich gegen manche HIV-Medikamente werden.

Vor dem PrEP-Start muss außerdem die Nierenfunktion überprüft werden. Wer an einer Nierenerkrankung leidet, sollte keine PrEP machen. Außerdem sollte untersucht werden, ob eine Hepatitis-B-Infektion vorliegt.

Belegt ist die Wirksamkeit der täglichen Einnahme von Truvada®.

Noch nicht zweifelsfrei erwiesen ist die Wirksamkeit der „anlassbezogenen“ PrEP: Hierbei fängt man vor dem Sex mit der Einnahme an, macht dann an den Tagen mit möglichen Risikokontakten weiter und setzt die Einnahme nach dem letzten Sex noch zwei Tage fort.

Nach dem Beginn einer PrEP muss man alle drei Monate einen HIV-Test machen. Außerdem sollten PrEP-Nutzer_innen regelmäßig ihre Nierenwerte überprüfen lassen.

Alle drei bis sechs Monate empfiehlt sich eine Untersuchung auf andere Geschlechtskrankheiten.

Nutzergruppen

2015 zeigten die Studien „Ipergay“ und „PROUD“, dass die PrEP schwule Männer mit erhöhtem HIV-Risiko so gut vor HIV schützte wie Kondome. Entscheidend war dabei die korrekte Einnahme der Tabletten, um den für die Schutzwirkung erforderlichen Wirkstoffpegel zu gewährleisten.

Die PrEP funktioniert auch bei anderen Menschen, doch liefern die bisherigen Studien keine so überzeugenden Erfolgsdaten. Für Frauen wird die „anlassbezogene“ Prep nicht empfohlen, sondern nur die tägliche.

Neue PrEP-Formen wie Vaginalringe werden zurzeit erforscht.

Die Leitlinien der Europäischen Aids-Gesellschaft EACS empfehlen die PrEP für HIV-negative Männer, die Sex mit Männern haben, sowie Trans*-Personen, die nicht konsequent Kondome verwenden oder Sex mit HIV-positiven Partnern haben, die keine HIV-Medikamente nehmen.

Für HIV-negative heterosexuelle Männer und Frauen, die nicht konsequent Kondome verwenden und mit hoher Wahrscheinlichkeit HIV-positive Partner_innen haben, kann laut EACS eine PrEP „in Betracht gezogen“ werden.

Nebenwirkungen

Die meisten Menschen vertragen Truvada® gut. Manche klagen in der ersten Zeit über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit oder Schlafstörungen.

Die Einnahme von Truvada® verringert die Leistungsfähigkeit der Niere. Wer an einer Erkrankung der Niere leidet, sollte keine Truvada®-PrEP einnehmen.

Wichtig ist, die Nierenwerte bei einer PrEP regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Truvada® kann auch die Knochendichte herabsetzen.

Knochendichte und Nierenfunktion kehren in der Regel wieder zu ihren Normalwerten zurück, wenn man das Medikament absetzt.

Resistenzen

Ein wichtiges Thema rund um die PrEP sind Resistenzen. Gemeint sind HIV-Virusstämme, die gegen Truvada unempfindlich sind, sodass das Medikament nicht mehr richtig wirkt und HIV sich wieder vermehren kann.

Zu solchen Resistenzen kann es kommen, wenn man eine Truvada-PrEP nimmt, obwohl man schon HIV-infiziert ist. Das ist zum Beispiel zu Beginn einer PrEP möglich, denn die HIV-Tests vor dem Start schlagen nicht an, wenn man sich gerade ganz frisch infiziert hat.

Außerdem kann es zu Resistenzen kommen, wenn man die PrEP nicht nach Vorschrift nimmt und sich deswegen infiziert.

Es ist deshalb sehr wichtig, vor Beginn und alle drei Monate während der PrEP einen HIV-Test zu machen.

Viren, die gegen Truvada resistent sind, können auch übertragen werden. Dann kann es trotz PrEP zu einer Infektion kommen. Das geschieht extrem selten, macht aber deutlich, dass die PrEP (wie auch das Kondom) keinen hundertprozentigen Schutz vor HIV bietet.

Einnahmeschema

Bei einer dauerhaften PrEP nimmt man täglich eine Tablette ein. Diese PrEP-Form ist die sicherere und empfohlene Variante.

Bei einer anlassbezogenen PrEP (nur für schwule Männer erforscht) nimmt man das Medikament nur vorübergehend ein, zum Beispiel anlässlich einer Sexparty. Dazu beginnt man am besten mit zwei Tabletten 24 Stunden Stunden vor dem Sex, nimmt dann eine Tablette täglich und setzt die Einnahme nach dem letzten Sex noch zwei Tage fort.

Die Wirksamkeit der „anlassbezogenen“ PrEP ist allerdings noch nicht zweifelsfrei erwiesen.Wer hier möglichst sicher gehen will, fängt eine Woche vor dem geplanten Sex mit der täglichen Einnahme an, macht dann an den „Sex-Tagen“ damit weiter und nimmt an den zwei Tagen nach dem letzten Sex ebenfalls noch täglich eine Pille.

Für Frauen ist auf jeden Fall die tägliche Einnahme am sichersten, denn in der Vaginalschleimhaut reichert sich Truvada nicht so gut an wie in der Darmschleimhaut.

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