Seit der Entdeckung des HIV-Virus 1983 hat die medizinische Forschung große Erfolge verzeichnen können. Heute gibt es mehr als 20 Wirkstoffe, die HIV an der Vermehrung im Körper hindern. So können die meisten Menschen mit HIV lange mit dem Virus  leben.

Zugleich ist es noch nicht gelungen, eine Heilung oder Impfung gegen HIV zu entwickeln. In der Impfstoffforschung kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Enttäuschungen. Bei der Heilung gibt es mittlerweile Forschungsansätze, die hoffen lassen. Es wird aber noch lange dauern, bis HIV vielleicht tatsächlich wieder aus dem Körper entfernt werden kann.

Gute Erfolge verzeichnet die Wissenschaft weiterhin bei der Entwicklung von Medikamenten, die die Vermehrung des Virus im Körper verhindern.

Ein weiterer Forschungsbereich ist die Entwicklung von so genannten Mikrobiziden. Es handelt sich dabei um Gels oder Zäpfchen, die Frauen auf die Schleimhaut der Scheide auftragen könnten, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Heilung

Wenn HIV in eine menschliche Zelle eindringt, bleibt es nicht wie andere Viren in der Zellflüssigkeit, sondern dringt in den Zellkern ein und integriert sein eigenes Erbmaterial in das Erbmaterial (DNA) der Zelle. HIV ist deswegen schwerer aus einer Zelle zu entfernen als andere Viren.

Normalerweise „präsentieren“ Zellen, die von Viren oder Bakterien befallen sind, Bruchstücke dieser Fremdkörper an ihrer Oberfläche und geben dem Immunsystemdamit das Signal, sie zu zerstören. Das gelingt auch bei HIV, aber ohne Medikamente gegen das Virus werden so viele neue Viren produziert, dass das Immunsystem nicht „hinterherkommt“.

Hinzu kommt: Einige mit HIV infizierte Zellen, sogenannte Gedächtniszellen des Immunsystems, können in einen Ruhezustand übergehen, und wenn sie keine Virenproduzieren, wird auch auf ihrer Oberfläche kein solches Signal gegeben. So können sie viele Monate oder Jahre verharren, bis sie „aufwachen“ und Viren produzieren.

Über zwei Jahrzehnte lang hielt man es für nahezu unmöglich, eine HIV-Infektion zur Ausheilung zu bringen.

Doch der Fall des „Berlin-Patienten“ zeigte, dass dies prinzipiell doch möglich ist: Der leukämiekranke Timothy R. Brown erhielt von einem Spender Stammzellen mit einer Genmutation, die HIV am Eindringen hindert. Seit der Transplantation im Jahr 2007 gilt Brown als geheilt. Weil das Verfahren aber aufwendig und gefährlich ist, kann man es nicht allgemein umsetzen.

Strategie

Heute erforscht man verschiedene Strategien, um entweder eine komplette Heilung zu erzielen oder eine „funktionelle Heilung“, bei der dann noch Viren in geringer Menge feststellbar wären, ihre Vermehrung allerdings vom Immunsystem gut kontrolliert würde:

  • Durch eine sehr früh begonnene mehrjährige Therapie lässt sich verhindern, dass sich „Zellreservoire“ mit HIV füllen. Beim „Mississippi-Baby“ kam das Virus leider nach zwei Jahren Therapiefreiheit wieder. Aber bei einigen Erwachsenen (aus der Visconti-Kohorte) ist das Virus zwar noch in geringer Konzentration messbar, aber gut kontrolliert – ohne Medikamenteneinnahme.
  • Bei der „Kick-and-kill“-Strategie versucht man, „schlafende“ infizierte Zellen „aufzuwecken“, damit das Immunsystem sie dann – möglicherweise unterstützt von einer therapeutischen Impfung – zerstört.
  • Andere Ansätze bestehen darin, den Rezeptor, den HIV für das Eindringen in die Immunzellen braucht, gentherapeutisch unbrauchbar zu machen oder HIV mittels einer „Genschere“ aus dem Erbgut der menschlichen Zelle herauszuschneiden.
  • Erforscht wird auch, das Immunsystem von HIV-Positiven durch eine therapeutische Impfung „scharf“ gegenüber dem Virus zu machen, um HIV so in Schach zu halten.
  • Möglicherweise sind im Labor produzierte Antikörper gegen HIV eine zusätzliche Option, vielleicht in Kombination mit der bisherigen antiretroviralen Therapie und einer therapeutischen Impfung.

Ob und wann es eine wiederholbare Heilungsstrategie gibt, kann man derzeit nicht voraussagen. Möglicherweise wird man verschiedene Strategien kombinieren, und das Ergebnis dürfte im Erfolgsfall eher eine „funktionelle“ Heilung sein, bei der noch Viren im Körper nachweisbar sind.

Ausführliche Zusammenfassung zum Stand der Heilungsforschung (Frühjahr 2014) im HIVreport

Impfung

Das Ziel einer Impfung besteht darin, das Immunsystem auf einen Krankheitserreger vorzubereiten. Dazu werden bestimmte Teile des Krankheitserregers oder eine abgeschwächte lebendige Variante in den Körper injiziert. Das Immunsystem produziert dann Antikörper, die den Krankheitserreger unschädlich machen können, wenn er später einmal tatsächlich in den Körper eindringt.

Bei HIV ist dieses Vorgehen bisher unmöglich, denn das Virus verändert sich ständig. So entstehen unzählige verschiedene Formen von HIV. Antikörper, die eine bestimmte Variante von HIV bekämpfen können, helfen bei einer anderen überhaupt nicht. Deswegen sind bisher alle Versuche, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln, gescheitert.

Es ist auch nicht gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln, der eine Infektion mit HIVwenigstens weniger wahrscheinlich macht oder den Krankheitsverlauf abschwächt.

Ein Impfstoff gegen HIV ist daher noch nicht in Sicht.

Medikamente

Die Forschung arbeitet ständig an der Entwicklung neuer Medikamente gegen die Vermehrung von HIV im Körper.

Dabei geht es vor allem darum, noch mehr Therapiemöglichkeiten zu schaffen. Das ist wichtig, weil HIV gegen die Medikamente resistent werden kann; dann ist es notwendig, auf andere Medikamentenkombinationen ausweichen zu können.

Zugleich sollen Nebenwirkungen und Langzeitschäden durch die Medikamente verringert werden. Die Einnahmevorschriften sollen einfacher werden.

In diesem Bereichen ist die Forschung sehr erfolgreich. Viele Therapien müssen nur noch ein- oder zweimal täglich eingenommen werden. Langzeitschäden wie Fettumverteilung im Körper (Lipodystrophiesyndrom) lassen sich heute in den meisten Fällen vermeiden.

PrEP

Durch die vorbeugende Einnahme antiretroviraler Medikamente über einen längeren Zeitraum oder kurz vor und nach einem Risiko kann man eine HIV-Infektion zuverlässig verhindern (PrEP=Prä-Expositions-Prophylaxe).

Ab Herbst 2016 steht mit dem Kombinationsmedikament Truvada (Tenofovir, Emtricitabin) eine PrEP in Europa erstmals zur Verfügung.

Nun wird an anderen Medikamenten und Verabreichungsformen geforscht, die eine tägliche Tabletteneinnahme überflüssig machen. In wenigen Jahren wird es auch möglich sein, sich durch eine 2-Monatsspritze vor HIV zu schützen. Stäbchen, die Medikamente enthalten und unter die Haut implantiert werden, könnten über einige Monate vor HIV schützen.

Intensiv wird auch erforscht, ob man die Schleimhäute, die beim Sex mit HIV in Kontakt kommen, durch Medikamente schützen kann: es handelt sich um eine lokale PrEP. Der Vorteil: das Medikament verteilt sich nicht im ganzen Körper sondern wirkt nur, wo es gebraucht wird. Man spart Medikamente ein und verringert Nebenwirkungen und Kosten.

Voraussichtlich 2017 werden in einigen Ländern Vaginalringe zugelassen. Sie werden monatlich gewechselt, das enthaltene Medikament Dapivirin dringt in die Vaginalschleimhaut ein. Infiziert nun HIV eine Zelle in diesem Gewebe, verhindert Dapivirin die Vermehrung von HIV. Die Infektion ist unterbunden. Die Methode bietet nur einen Teilschutz, könnte aber mit anderen Methoden kombiniert werden. An anderen Formen der lokalen PrEP werden erforscht: Vaginaltabletten und Vaginalgels sowie Rektalgels für den Analverkehr.

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